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Die Bauchronik

Der Festzug zur Einweihung der Gedächtniskirche 1904.

Zunächst sollte die geplante Reformationskirche am Platz des "Retschers", der - bis heute erhaltenen - Ruine eines Adelspalais neben der Dreifaltigkeitskirche, errichtet werden. Hier, so glaubte man, habe der Reichstag von 1529 stattgefunden. Der 1857 gegründete Bauverein nannte sich Retscher-Verein; von seinen Initiatoren seien die Speyerer Konsistorialräte Friedrich Börsch (1794-1880) und Prof. Dr. Johann Heinrich August Ebrard (1818-1888) eigens genannt.

Der Festzug zur Einweihung der Gedächtniskirche 1904.Den Versuchen, durch Kollekten in Deutschland die erforderlichen Geldmittel zusammenzubringen, stand zunächst die Konkurrenz des Wormser Lutherdenkmals (vollendet 1868) im Wege. Erst die Verkündigung des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit (1870) und die Gründung des neuen Reichs unter einem evangelischen Kaiser (1871) gaben dem Speyerer Projekt neuen Auftrieb. Der Stadtbaumeister Max Siebert in Speyer legte erste Entwürfe einer neugotischen Gedächtniskirche vor; nach ihnen schuf der Speyerer Bildhauer J. Höffner um 1871/ 72 ein Modell aus Lindenholz, das heute in der Kirche ausgestellt ist.

Als 1882 nachgewiesen wurde, daß der Reichstag nicht im Retscher abgehalten worden war, nahm der Verein einen anderen Namen an ("Verein zur Erbauung der Gedächtniskirche der Protestation von 1529") und wählte ein Grundstück außerhalb der Altstadt, vor dem ehemaligen Landauer Tor.

Im Jahre 1883 konnte endlich die Ausschreibung erfolgen. Es bewarben sich 45 Architekten aus dem ganzen Deutschen Reich; im November 1884 wurde die Konkurrenz entschieden. Den ersten Preis und den Bauauftrag erhielten die Architekten Julius Flügge und Carl Nordmann aus Essen. Spenden aus ganz Europa und aus den USA gingen ein oder wurden zugesagt. Kaiser Wilhelm II. (reg. 1888-1918) verbürgte sich 1890 für die Restfinanzierung der errechneten 1.200.000 Mark Baukosten und empfahl den Baubeginn.

Der erste Spatenstich erfolgte am 19. September 1890, die feierliche Grundsteinlegung am 24. August 1893. Bis zum Jahre 1900 war der Rohbau mitsamt dem Turm in Dachfirsthöhe vollendet; am 31. August 1904, nach elfjähriger Bauzeit, wurde die Gedächtniskirche eingeweiht, nachdem schon ein Jahr zuvor das von Hermann Hahn (München) geschaffene Lutherdenkmal in der Vorhalle aufgestellt worden war. Im Jahre 1908 folgte dann noch der Altaraufbau mit einer Christusfigur, die der damals bekannte Bildhauer Feihl (Wiesbaden) einer Statue seines Onkels Konstantin Dausch im Bremer Dom nachgeschaffen hat. Die sechs Standbilder der protestierenden Landesfürsten von 1529, entworfen von Max Baumbach (Berlin), wurden erst 1914 in der Vorhalle aufgestellt.

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